Geld ist ein schlechter Motivator

Eine Arbeit nur deshalb zu verüben, weil sie einem viel Geld einbringt, ist ein Gedanke, der dem falschem Motiv unterliegt.

Warum Geld an sich ein so fürchterlich schlechter Motivator ist, der einen zudem nie wirklich ausreichen befriedigen will, und wie man seinen Beruf – oder besser gesagt, seine Berufung – eigentlich wählen und angehen sollte, fasst dieses Video in einer brillianten audio-visuellen Verschmelzung zusammen.
Herausgearbeitet werden drei wirklich starke Motivatoren:

Die ANTWORT

Danke, Herr Lietaer, für eine Antwort, die mir die ganze Zeit schon vorschwebt: Das derzeitige Geldsystem programmiert uns auf Kurzzeitdenken. Schuld ist nicht der Mensch und dessen Psyche. Der Knackpunkt für Nachhaltigkeitslösungen liegt also eben darin, dass wir ein anderes Geldsystem benötigen.

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Mehr und unbedingt Empfehlenswertes gibt es auf der Webseite von Bernard Lietaer www.lietaer.com zu erfahren!

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Banken erfinden Geld aus Luft

Vielen Dank, Herr Hörmann, für diesen Beitrag, der ganz in unserem Sinne den institutionellen Geldgebrauch hinterfragt und eine gedanklich zeitgemäß strukturierte Orientierung schafft. Mehr davon und mehr Verbreitung!

- von Daniela Rom  |  13. Oktober 2010 -

Für Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, ist die
Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Ein Paradigmenwechsel sowohl in den
Wirtschaftswissenschaften, als auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht,
ist für ihn unumgänglich. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er, warum
wir die Banken getrost ignorieren können, die freien Märkte “Blasenmaschinen
zum Missbrauch für die Eliten” sind und noch in den nächsten drei Jahren der
Zusammenbruch des gesamten Systems droht.

derStandard.at: Sie gehen davon aus, dass sich Gesellschaft und Wirtschaft
in den kommenden Jahren völlig verändern werden. Hat unser derzeitiges
Finanz- und Wirtschaftssystem ausgedient?

Franz Hörmann: Definitiv in jeder Hinsicht. Weil wir aus Sicht der Rechts-
und Wirtschaftswissenschaften Modelle verwenden, die auf die alten Römer
zurückgehen. Das Zinseszinssystem stammt aus dem zweiten vorchristlichen
Jahrtausend, die doppelte Buchhaltung aus dem 15. Jahrhundert. Und es gibt
keinen Bereich unserer Gesellschaft und der Wissenschaften, wo Methoden
dieses Alters überhaupt noch ernst genommen werden. Aber es dient dazu,
gesellschaftliche Eliten mächtig und reich zu erhalten, deswegen ändert sich
nichts.

derStandard.at: Läutete die Krise nun ein Umdenken ein?

Hörmann: Das denke ich schon. Die heutige Krise geht von den Banken aus.
Banken erfinden im Kreditprozess Geld. Wenn man aber Geld aus Luft erfindet
und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und
dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief
geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell. Das ist auch der Hintergrund des
Bankgeheimnisses. Banken können überhaupt nicht offenlegen, wo
beispielsweise die Zinsen für Sparbücher, Bausparverträge oder Sonstiges
herkommen. Denn wenn sie das täten, müssten sie zugeben, dass das alles in
Wirklichkeit verkettete Pyramidenspiele sind. Diese verdeckte
Geldmengenausweitung hat mit der doppelten Buchführung begonnen. Weil wenn
man mit Geld eine Sache kauft, dann wechselt das Geld in Wahrheit den
Besitzer. Der Verkäufer hat das Geld, der Käufer hat die Sache. Ab dem
Moment ist die Sache aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr in Geld
bewertbar. Trotzdem schreiben wir diese Geldbeträge in Bilanzen rein.

derStandard.at: Den Banken und dem Finanzsystem zu vertrauen ist also ein
Fehler?

Hörmann: Das Vertrauen ist ja in den letzten Jahren von den Banken
systematisch missbraucht worden. Es gibt ein systemisches Betrugsmodell
einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur
Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird. Solange man mit Eigenkapital als
Sicherheit zur Bank geht und die erzeugt aus Luft echtes Geld, das eine
Zahlungsmittelfunktion hat, haben wir ein Problem. Eigenkapital ist eben
kein Geld, es ist eine Rechengröße. Nach irgendwelchen Regeln wird die
Aktivseite bewertet und dann die Schulden abgezogen. Wenn ich ein drei Meter
langes Brett habe und ziehe ein zwei Meter langes Brett ab, dann hab ich
immer noch kein ein Meter langes Brett, ich habe eine Differenz. Wenn ich
ein ein Meter langes Brett haben will, dann muss ich die zwei Meter
abschneiden. Ökonomisch heißt das, ich muss die Aktiva liquidieren, damit
ich das Geld kriege. Zu Liquidationserlösen sind aber alle Unternehmen
weltweit pleite. Auch Staaten können sich daher in Wirklichkeit gar nicht
verschulden. Ein Staat, wenn man ihn als Summe des gesamten Geldflusses
versteht, wo soll sich der verschulden? Warum gerade bei einer Privatbank?
Ein Staat müsste sein Geld eigentlich selbst erzeugen, und zwar
basisdemokratisch.

derStandard.at: Was ist dann von einer Rettung wie im Falle Griechenlands zu
halten?

Hörmann: Die europäischen Länder haben nicht unbedingt die Griechen
gerettet, sondern ihre eigenen, in erster Linie die deutschen Banken, die
hier absurde Kredite vergeben haben. Die Zusammenhänge sind auch völlig
absurd, wenn man sich Folgendes überlegt: Der Staat verschuldet sich bei den
Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen
oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat. Da versteht
ja keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden
eigentlich sind.

derStandard.at: Die Systemrelevanz von Banken und das “too big to
fail”-Argument und die Bankenrettungspakete sind für Sie also reines
Eigeninteresse?

Hörmann: Das “Too big to fail” ist ja ein Geschäftsmodell. Es gibt
erwiesenermaßen die gezielte Absicht, Banken durch Übernahmen immer größer
zu machen, damit sie “too big to fail” werden. Die Verknüpfungen zwischen
Finanzwirtschaft und Politik sind enorm. Eigentlich kann man Regierungen,
die aus aktiven oder früheren Mitarbeitern des Finanzsystems bestehen, gar
nicht ernst nehmen. Da hat es zumindest eine mutige Aktion gegeben, nämlich
das Eigentum der Oesterreichischen Nationalbank zu verstaatlichen und damit
die Nationalbank von jenen Banken unabhängig zu machen, die sie prüfen
sollte. Aber die Geldpolitik macht nun einmal nicht die OeNB sondern die
EZB. Die Bankenrettungspakete sind überhaupt wahnsinnig witzig: Die Banken
wurden nicht gerettet, es gibt nur einen Plan für die Zukunft, von dem man
heute schon weiß, dass er nicht funktionieren wird, denn die Gelder müssen
ja erst in den kommenden “Sparpaketen” mittels Steuererhöhungen von den
Bürgerinnen und Bürgern einkassiert werden. Die Banken sind rund um den
Globus pleite. Darum kann man getrost so tun, als ob es sie nicht mehr gäbe.

derStandard.at: Aber noch gibt es sie.

Hörmann: Wenn wir uns die Kredite anschauen, können wir sie ignorieren. 1969
hat ein amerikanischer Architekt einen Prozess gewonnen, weil er seinen
Hypothekenkredit nicht zurückzahlen wollte. Er hat sich auf den
Rechtsgrundsatz berufen, dass in einer Leihe, wo ein Gegenstand erst
entsteht, der vorher noch nicht vorhanden war, dieser Gegenstand auch nicht
zurückgegeben werden muss. Da also in der Kreditschöpfung das Geld erst
erzeugt wird, gibt es keinen Grund, diesen Kredit zurückzuzahlen. In den USA
gibt es schon Bürgerrechtsbewegungen, die den Amerikanern empfehlen, sich
zusammenzuschließen und Kredite nicht mehr zurückzuzahlen.

derStandard.at: Kommen wir noch einmal auf die Bilanzen zurück. Das Problem
fängt Ihrer Ansicht nach schon hier an?

Hörmann: Es mangelt an der Abzählbarkeit der Größen, die in Bilanzen
verwendet werden. Jemand, der ein Haus um zwei Millionen statt um eine
Million kauft, weil er schlecht verhandelt hat, hätte dann ein um eine
Million höheres Eigenkapital? Und wenn er jemanden findet, der es um zehn
Millionen kauft, ist das dann ein Marktpreis? Es ist krank. Der Fair Value
ist auch ein Betrugsmodell, weil man es mit geschenktem Geld und
Strohmännern nachweislich missbrauchen kann. Der Fair Value gehört endlich
abgeschafft. Er ist nichts anderes als der sogenannte Gemeine Wert, der Ende
des 19. Jahrhunderts aus dem Deutschen Handelsgesetzbuch eliminiert wurde,
weil er auch da schon zu massenhaftem Gründungsbetrug bei
Aktiengesellschaften geführt hat. Es ist ein flächendeckender Betrug über
Kapitalgesellschaften und Banken in unserem Wirtschaftssystem. Aber das darf
die Politik nicht zugeben, weil es zu nahe an jene Formulierungen
heranreicht, die früher die Marxisten verwendet haben. Und das wäre ja allzu
peinlich. Wobei man natürlich sagen muss, dass der Staatssozialismus und die
Planwirtschaft überhaupt nicht funktionieren konnten, weil das ja
tatsächlich Terrorregime waren.

derStandard.at: Derzeit werden die Stimmen, dass beispielsweise der Euro
verschwinden wird, immer lauter. Brauchen wir Geld überhaupt noch?

Hörmann: Alle Währungen werden verschwinden, weil sie technisch nicht mehr
funktionieren können. Ich schätze, dass es schon 2011 so weit sein wird.
Wenn wir uns aber in eine neue Gesellschaft ohne Geld retten wollen,
brauchen wir als Übergangphase mehrdimensionales Geld. Wir brauchen mehrere
unabhängige Rechnungskreise in Form spezialisierter elektronischer
Gutscheine. Um die Grundversorgung der Menschen abzudecken, wie Wohnraum,
Energie, Lebensmittel usw., könnte man eine Inventur in den einzelnen
Ländern aller verfügbarer Ressourcen und des Bedarfs machen. Dann wäre es
notwendig, die vorhandenen Ressourcen pro Kopf so zu verteilen, dass für den
Basislebensstandard alle versorgt sind. Hier müssen alle kooperieren, ohne
dass sie in ein gewinnorientiertes Tauschkonzept verfallen. Die Gemeinschaft
muss ohne Wenn und Aber und ohne Gegenleistung Kinder, alte und kranke
Menschen erhalten, und alle müssen mit diesem Grundlebensstandard versorgt
werden, egal welche oder ob sie überhaupt eine Leistung vollbringen.

derStandard.at: Wir sprechen also von einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Hörmann: Genau. Aber nicht in Geld, sondern in Gütern und Dienstleistungen.
Im Bereich des Luxus kann die Gesellschaft dann basisdemokratisch
entscheiden, für welche individuellen oder Gruppenleistungen Preise
ausgeschrieben werden. Für tolle Erfindungen zum Beispiel, oder besonders
schwierige oder mühsame Arbeiten. Das ist dann der Ansporn in einem
motivierenden, leistungsorientierten Anreizsystem. Es reden ja alle von der
Leistungsgesellschaft, aber Zinsen- und Dividendeneinkommen sind keine
Leistung, sondern eine Vergütung für Eigentum. Da Geld sowieso eine
gesellschaftliche Konstruktion ist, müssen wir uns nicht an der toten
Materie orientieren, die in früheren Jahrtausenden die praktische
Manifestation von Geld war. Geld selbst besitzt ja lediglich eine
Informationsfunktion.

derStandard.at: Noch nehmen wir das Geld aber sehr ernst. Währungskrieg und
Währungskrisen geistern durch die Medien.

Hörmann: Der wirkliche Skandal ist, dass unser gesamtes Geldsystem auf
Schulden basiert. Das heißt, die Geldschöpfung funktioniert zu 97 Prozent in
den Geschäftsbanken. Auch Staaten nehmen so Kredite auf: Die Zentralbanken
machen das durch eine Bilanzverlängerung. Über eine Bilanzverlängerung kann
man aber kein Geld erzeugen. Die chinesische Staatsbank erfindet auch Geld
aus Luft, nur lustigerweise, ohne dass eine Staatsschuld entsteht. Das
sollten wir auch machen. Der chinesische Wirtschaftswissenschafter Wu hat
bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität gesagt: Er werde oft
gefragt, warum es in China so viele Unternehmensgründungen gegeben hat. Die
chinesische Staatsbank habe Gründungskredite hergegeben, die waren
unverzinst und mussten nicht zurückgezahlt werden. Das kann man natürlich
nur als Zentralbank machen, wenn man einseitig bucht und nicht gleichzeitig
Schulden erzeugt. Und wenn man dann sagt: Um Gottes Willen, dann gibt’s ja
Inflation! Das haben die Chinesen über eine Preisregulierung gesteuert und
waren damit wieder die Schlaueren. Das will aber bei uns keiner hören, weil
das geht gegen das Dogma der freien Märkte, die Blasenmaschinen zum
Missbrauch für die Eliten sind.

derStandard.at: Ist China da wirklich ein Vorbild?

Hörmann: Die Chinesen machen es richtig. Sie picken sich aus den beiden
politischen Systemen jeweils die Rosinen raus und sind offenbar so flexibel
zu sagen: Das, was in unserem alten System gut funktioniert hat, behalten
wir bei. Und das, was im kapitalistischen System gut ausschaut, das
übernehmen wir. Es ist eine Mischform, die sich noch dazu laufend weiter
entwickelt, also einer Evolution unterliegt. Aus Sicht der Elite in China
ist es einfach, solange sie es so steuern kann. Ob es für die gesamte
Bevölkerung, insbesondere für die Landarbeiter so einfach ist, ist eine
andere Frage.

derStandard.at: Wo sehen Sie unser Wirtschaftssystem nun in Zukunft?

Hörmann: Solange Eigentümer etwas produzieren, damit Konsumenten es gegen
Geld kaufen, werden wir in absehbarer Zeit in einen Zustand geraten, wo die
öffentliche Hand, die Gelderzeuger, die Konsumenten dafür bezahlen müssen,
dass sie einkaufen gehen. Nur dann werden die Eigentümer noch ihre Gewinne
erzielen können. Denn durch Arbeit in immer stärker rationalisierten und
automatisierten Prozessen wird kein Mensch mehr sein Einkommen verdienen
können. Wir wissen, dass zehn Prozent der berufstätigen Bevölkerung von
ihren Arbeitseinkommen nicht mehr leben können. In Wirklichkeit müssten wir
darüber in Freude ausbrechen. Zu Beginn der Industrialisierung war die
betriebswirtschaftliche Maßgröße eingesparte Arbeitsstunden. Und genau das
ist die einzig sinnvolle ökonomische Größe.

derStandard.at: Sie wünschen sich also eine neue Weltordnung?

Hörmann: Globalisierung richtig verstanden, bedeutet, dass es keine
Standortpolitik mehr gibt. Es gibt nur einen Standort, und das ist der
Planet Erde. Und es gibt auch nur eine Nation, das ist die Menschheit. Diese
ist natürlich vielfältig, und muss liebevoll und empathisch miteinander
kommunizieren. Wir müssen auch die Vertreter der sogenannten Elite dort
abholen, wo sie heute stehen. Wir dürfen keine Sündenböcke suchen. Denn wir
müssen ihre Verlustängste berücksichtigen und sagen: Ihr werdet zwar etwas
verlieren, aber das sind nur Zahlen auf Papier oder Displays. Und wenn ihr
mitarbeitet, dann können wir jede Form von Lebensstandard schaffen und zwar
für eine breite Bevölkerung. Das schafft dann auch Sicherheit, weil es
keinen Neid mehr geben wird.

derStandard.at: In welchem Zeithorizont denken Sie an diese neue
Gesellschaftsordnung?

Hörmann: Drei Jahre. Die Frage ist nämlich, schafft es die Menschheit, in
drei Jahren dieses Konzept umzusetzen oder wird sie gar nicht mehr bestehen.
Wir haben nämlich massenhaft ökologische und soziale Probleme, in vielen
Ländern stehen wir kurz vor der Revolution.

derStandard.at: Sie reden also vom ultimativen Crash?

Hörmann: Richtig. Wie die Gesellschaft in Zukunft leben wird oder will, kann
nur die Gesellschaft selbst entscheiden und zwar nach dem Mehrheitsprinzip.
Das geschieht demokratisch in der Vernetzung. Hierarchische Strukturen
können aus informationstheoretischer Sicht nie funktionieren, weil die
Personen an der Spitze der Pyramide das Wissen nicht haben. Sie werden von
den Schichten darunter permanent belogen. Wie man sich als einfacher Bürger
gegen Überwachung oder Schikanen wehren kann, ist bekannt: Man lügt die
Mächtigen einfach an. Daher brechen sämtliche hierarchische Systeme, ob das
Regierungen, Staaten, Schulsysteme oder Unternehmen sind, momentan zusammen
und die Menschheit vernetzt sich über das Internet auf einer Ebene neu, über
das “global brain”. Hier entstehen dann völlig neue Spielregeln nach dem
Prinzip der Emergenz. (Daniela Rom, derStandard.at, 13.10.2010)

FRANZ HÖRMANN ist Professor am Institut für Revisions-, Treuhand- und
Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität Wien.

Habe ich Geld eigentlich richtig verstanden?

Da Geld jeden Tag von jedem benutzt wird, glaubt jeder, eine konkrete Vorstellung davon zu haben, was Geld ist. Dem möchte ich widersprechen. Geld hat in verschiedenen Situationen verschiedenen Charakter und übermittelt verschiedene Absichten. Es ist unglaublich flexibel. Und es hat einen unheimlich merkwürdigen Einfluss auf das Verhalten von Menschen.

Dies ist auch der Grund, warum sich Soziologen mit den Eigenschaften des Geldes befassen. Deren Ansichten können einem ganz neue Perspektiven eröffnen, was Geld eigentlich alles bedeutet.

Einen klassischen und recht kurzen Aufsatz, der bereits in ungeahnte Tiefen vordringt indem er das Wesen des Geldes durchleuchtet, wurde von Georg Simmel noch vor 1900 geschrieben unter dem Namen ” Zur Psychologie des Geldes“. Einige Jahre später erschien dann sein sehr umfassendes Werk “Philosophie des Geldes“.

In ein paar kurzen Interviews zeigt Prof. Dr. Dirk Baecker (derzeit Professor für Kulturtheorie- und analyse an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen) einige Aspekte des Geldes auf, wie es heute hingenommen wird und funktioniert.

Geld kann aber auch ganz andere Formen annehmen und/oder Prinzipien verwirklichen – Geld geht auch anders. Es sollte ohnehin ganz anders gedacht werden, denn in seiner derzeit vorherrschenden Art und Weise hat Geld nicht wirklich seinen Idealzustand erreicht. Es gibt andere Arten von Geld. Kommentare über Vorstellungen, wie Geld aussehen könnte oder welche Charaktereigenschaften es harmonischer gestalten würden, sind herzlichst erwünscht!

Monetär-ökologischer Synergismus

Ein Modell zur Umstellung der grundlegenden Fixkosten


Den Sinn und die einflussreichen Auswirkungen eines Wechsels des Stromanbieters vollziehen mehr und mehr Menschen nach. Sie wechseln zu einem der vier empfehlenswerten Ökostromanbieter (Naturstrom, GreenpeaceEnergy, EWS, Lichtblick). Manch einer braucht gut 100 Gründe, ehe er sich überzeugen lässt – demzufolge erschien denn auch der griffige Taschenprospekt der Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Andere wechseln erst, wenn man ihnen das Ausfüllformular unmittelbar auf den Tisch legt. Ganz so schnell vermag sich scheinbar selbst der überzeugte Umweltschützer nicht aus seinem gewohnten Gefüge heraus zu erheben. Dennoch: viele Menschen wechseln. Der einzig große Zulauf an Neukunden ist daher nur bei diesen vier Ökostromanbietern zu verzeichnen.

Prägnant ausgedrückt lautet eine der entscheidenden Sinnformeln: „Wenn das Schaffen eines Unternehmens gegen mein Verständnis einer nachhaltigen Umweltsozialpolitik verstößt, dann sollte ich ihm nicht monatlich einen Batzen Geld zukommen lassen.“

Habe ich das für den Stromanbieter erkannt, wäre es nur konsequent, sich den restlichen Fixkosten zuzuwenden, die unentbehrlich für die Lebensbestreitung eines jeden sind: Giro-Konto, Kautionskonto & Sparbücher, DSL-Anschluss & Telefon, Krankenkasse & Versicherungen.

Sucht man nach umweltverträglichen Alternativen, finden sich auch welche. Und in diesen angesprochenen drei Bereichen finden sich Alternativen, die mit den konventionellen Anbietern in einer Preisklasse liegen.

Grüne Banken

Für das Giro-Konto empfiehlt sich zum Beispiel die GLS-Bank, die seit 1974 in Deutschland aktiv ist. Denmächst wird auch die Triodos Bank änliche Angebote bereitstellen. Sie stammt aus den Niederlanden und folgt einer ähnliche Grundphilosophie. Trotz geringer Fillialpräsenz bietet sich derselbe Komfort wie bei allen anderen Giro-Konten: Eine Auswahl von über 18.000 Geldautomaten, hauptsächlich von Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und weiteren, um Bargeld abzuheben und Kontoauszüge auszudrucken. Nach der besonderen Philosophie der GLS-Bank finanziert der Kunde durch seine Mitgliedschaft ausschließlich soziale, ökologische und kulturell zukunftsweisende Unternehmen und Projekte – kurz gesagt, Investitionen in Mensch und Natur. Volle Transparenz ist dabei Selbstverständlichkeit. Auch Kautionskonten, Sparbücher, Geldanlagen, Kreditvergaben und alles weitere befindet sich im Aktionsfeld der Bank. Es existieren noch weitere umweltsozialfreundliche oder nachhaltig ausgerichtete Banken, unter anderem eine Anzahl von kirchlichen Kreditinstituten, und sogar konventionelle Banken bieten mittlerweile entsprechende, wohlklingende Produkte an. Beurteilt man diese in erster Linie gemäß ihrer Transparenz, so muss man allerdings feststellen, daß eine Offenheit, wie sie die GLS-Bank vorweist, erst noch erreicht werden muss.

Das teilweise aufwendige Umstellen der eigenen Bankverbindung sehen interessanterweise die meisten Menschen als einen unproblematischen Aufwand an, der gerne in Kauf genommen wird. „Solche unmittelbar direktdemokratischen Entscheidungsmöglichkeiten stehen einem für gewöhnlich eher selten zur Verfügung“, urteilt ein Wechselkunde. Der Einfluss dieser Handlungen wird sogar hin und wieder als Bereinigung erlebt. Als eine Befreiung von den Verstrickungen und von der ungeahnten Mitschuld an den Skandalen eines aufgeblasenen Spekulationsdebakels.

Grüner Internetzugang

Selbiges gilt für den DSL-Anschluss. Der derzeit empfehlenswerteste Anbieter heißt erwartungsgemäß „GreenDSL“ und ist ein Produkt der Firma TeleSon GmbH in München. Deutschlandweit wird eine klimaneutrale DSL- und Telefonflatrate für 35 Euro im Monat angeboten, mit allem was dazugehört – von Ökostrombetrieb des Unternehmens bis hin zur Verwendung von recyclebaren Werkstoffen im Router. Um das Programm noch thematisch aufzupeppen wandert monatlich ein Euro in ein Baumprojekt der Tropenwaldstiftung OroVerde. Insgesamt also ein guter Ansatz, wie ein Internetanbieter aufgestellt sein sollte. Bleibt zu hoffen, dass durch zahlreichen Kundenzulauf sich das komplette Unternehmen in dieser Richtung umgestalten wird. Ein Wechsel-Wecker hilft einem zudem, den Termin für den frühesten Ausstieg aus dem derzeit laufenden Vertrag nicht zu verpassen.

Grüne Versicherungen

Unter den rund 170 verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen fällt einem bei der Suche nach Alternativen zur standardgemäßen Behandlung besonders die Securvita auf. Diese setzt sich konsequent für Homöopathie, antroposophische Therapien und andere bewährte Naturheilverfahren ein. Sie bietet die Wahlmöglichkeit zwischen gesetzlicher, zusätzlicher oder privater Versicherung. Gerade für anspruchsvolle Zusatzleistungen stellt dieses modulare System innovative Angebote mit individuellen Wahlmöglichkeiten dar. Eine nähere Betrachtung lohnt sich. Des Weiteren ist sie als Dienstleister tätig. Riester-Renten-, Berufsunfähigkeits- sowie weitere Versicherungen und Öko-Investments stehen ebenfalls in ihrem Programm.

Eine zunehmende Anzahl von Versicherungsunternehmen erfahren die Neuauslegungen nach ethischen und ökologischen Kriterien. Der Verbraucher bekommt dadurch endlich die Chance, sein Kapital in Wege zu leiten, die weder die Atomwirtschaft, noch die Mineralölwirtschaft, noch die Chemiewirtschaft und auch keine Agrarkonzerne unterstützen. Finanzskandale und undurchschaubare Investitionsakrobatiken mit verlockend hohen Renditen sind nicht mehr das gefragteste Produkt unserer Zeit. Konventionelle Geldanlagen sind auch längst nicht mehr die rentabelsten. Stattdessen bieten heutige Unternehmen Versicherungen und Fonds an, die in erneuerbare Energien, in den Erhalt von Landschaften oder in Mikrofinanzierungen investieren. Die Angebote füllen das komplette Spektrum von Haftpflicht-, Hausrats-, KFZ- und Unfallsversicherungen, als auch Altersvorsorgen und Renten.

Wer indessen mehr Geld zu investieren hat, dem sei empfohlen, sich über die Chancen und Risiken grüner Geldanlagen in dem Buch „Ökologische Investments“ von Thomas Werner, sowie in diversen Internetportalen, Ökologischen Branchenbücher et cetera zu informieren. Geldanlagen sind ein breit gefächertes Gebiet, zu dem ein nachdrücklicher Verweis auf die be- und entstehenden, grünen Möglichkeiten an dieser Stelle ausreichen wird.

Um des Willens der Entscheidungsfreiheit, darf natürlich die Anmerkung nicht fehlen, dass die gelisteten Unternehmen beispielhaft herausgepickt sind. Dies gibt eine Anregung und keine Garantie für Vollständigkeit. Der aufgeschlossene Leser möchte sich bestimmt tiefergehend beraten lassen, bevor er seine Wechsel tätigt. Wer diese bedeutungsvollen Chancen des finanziellen Einflusses ungenutzt lässt, da er sich im dichten Werbenebel des überwucherten Informationsjungels nicht zurecht findet, dem seien diese Beispiele einige Leuchttürme der Orientierung. Für denjenigen, der nur aufgrund vermeintlicher Mühseligkeit seine Nester nicht verlässt, sind es vielleicht bereits die lang ersehnten Zufluchtsorte.

Grüner Epilog

Als Zusatz noch ein paar vergleichsweise kleinwüchsige Veränderungen, die nur allzu leicht aus dem Such-Auge globaler Problemlösungen geraten, doch dafür absolut ohne Aufwand zu erledigen sind: Nicht nur in seltenen Bio-Drogeriemärkten sondern sogar im gut sortierten Supermarkt gibt es Waschnüsse zu kaufen – das effektiveste, kostengünstigste und zugleich biologischste Waschmittel der Welt. Denn es wächst auf Bäumen. Damit stellt es die komplette Entwicklung der Waschmittelindustrie in Frage und beantwortet sie. Ich war auch erst skeptisch. Soweit ist man eben schon adaptiert. Hab es trotzdem probiert. Und war sprachlos.

Ein weiterer, oft übersehener, ökologischer Schatten, der sich ganz leicht neutralisieren lässt, betrifft die Benutzung von Suchmaschinen. Denn beim Surfen im Internet verbraucht nicht nur mein eigener PC Strom. Ganz einfach die Startseite und Suchleiste auf Forestle umstellen. Diese Organisation spendet 90% ihrer Einnahmen, die über Sponsoren und Werbebannerplatzierung erfolgen, an Regenwaldrettung durch The Nature Conservancy. Presseberichte auf der Webseite geben tiefere Einblicke über Hintergründe und Verfahrensweise.

Zugegeben kleine Umstellungen, doch zunehmend praktiziert, entwickeln diese Veränderungen meist große Auswirkungen. Einfach deswegen, weil sie schnell und leicht umzusetzen sind.

Dieser ganze Artikel und der daraus emporwachsende Elan wäre allerdings nahezu nutzlos ohne einen abschließenden und nachdrücklichen, interkulturell tabubehafteten Aufruf zu reduziertem Tierkonsum!

Was hat denn der Tierkonsum damit zu tun?

Hierbei möchte ich fürs Erste und vor näherer, eigener Ausführungen ebenfalls auf einen Artikel eines sehr geschätzten Menschen verweisen:

 The Copenhagen Fools

…es gibt doch viel günstigere Stromanbieter heutzutage…

Neuerdings entstehen immer mehr, immer günstigere Stromanbieter – doch was bringt es, ein paar Euro zu sparen und damit meist Tochterfirmen von großen Konzernen zu fördern?
Man unterstützt dadurch die mächtigsten Konzerne unserer Welt, die durch
umweltbelastende Technologien allergrößte Gewinne einfahren! Man schneidet sich somit ins eigene Fleisch.
Eine Wende in der Wirtschafts- und Machtstruktur wird dadurch nicht erreicht.

Ohne den massenhaften Anbieterwechsel zu den wahren Vorreitern im Ökostrombereich gäbe es wahrscheinlich nicht die geringsten Anstrengungen der Konzerne, ihre Stromproduktion ebenfalls allmählich in dieser Richtung umzustellen.

Und ich weiß heute schon, welche Art von Stromerzeugung in naher Zukunft teuerer sein wird. Erst dann zu wechseln, ist nicht mitgedacht, denn dann wird der Zug zur Energieautonomie abgefahren sein. Dann werden Mammutprojekte ökologischer Massenstromerzeugung existieren, die wieder nur eine Hand voll Konzernen ihr eigen nennen.

Daher muss dem Wechsel zu wahren Ökostromanbietern als nächster Schritt die Vernetzung zu regionalen, dezentralen Produktionsstätten folgen. Energie in Bürgerhand!

So sieht wohlüberlegtes Sparen aus.

Ökologische Mietkosten?

Die Kategorie Wohnen ist Experimentierfeld, in dem die nicht wirklich einfach lösbare Frage nach ökologischem Wohnen gestellt ist. Denn die monatlichen Mietkosten sind für gewöhnlich nicht nur die höchsten allgemeinen Fixkosten, auch gibt es auf diesem Gebiet bisher noch wenig gehbare Ansätze, die den relativ einfachen Lösungen der anderen Kategorien entsprechen.

Kann man mehr tun, als bloß das Kautionskonto auf eine grüne Bank zu verlegen?

Dem Vermieter den Sinn von Gebäudewäremedämmung verständlich zu machen ist natürlich ein guter Anfang. Das rechnet sich bereits innerhalb einer Dekade.

Welche ökologischen Wohnprojekte sind zu empfehlen? Welche davon eignen sich für Durchschnittsverdiener? Gibt es noch andere Lösungen? Vielleicht welche, bei denen ich dort wohnen bleiben kann, wo ich jetzt wohne?

Wir bleiben gespannt auf anregende und informative posts!

Versicherungen wechselt man doch nicht einfach, oder?

Dieses unglaublich umfangreiche Gebiet hat einen eigenen Berufszweig mit sich gebracht. Sich hier anzumaßen, eine umfassende Beratung abzugeben wäre wohl etwas überheblich. Will ich auch nicht. Ich interessiere mich in erster Linie dafür, welche Unternehmen sozialökologische Investments fördern.

Mit einer Auswahl von ökologischen Versicherungsunternehmen gerüstet, ist der Gang zum Versicherungsberater schon viel spannender, als wenn man sich lediglich nach Rendite suchend den Empfehlungen des vertrauenvollen Beraters ausliefert.

Sparen=Klimaschutz?

Können wir unsere Erde gesund sparen? Diese Strategie wird in diesen Zeiten von nahezu allen großen Stromproduzenten vorgeschlagen während sie weiterhin auf Kohle und Atom setzen… aber wie viel lässt sich dadurch wirklich erreichen?

- Nun, so viel ist schon mal klar: Nur ein Wechsel zu wahrem Ökostrom wirkt Wunder! -

Oft wird Sparen zu einer akribischen, kleinkarierten Pfennigfuchserei, die viel Zeit und Mühen raubt und nicht zuletzt deshalb völlig unsexy wirkt.
Aber dann gibt es eben Sparmaßnahmen, die völlig unbemerkt vonstatten gehen – die den gleichen Kompfort aufrechterhalten und auch psychologisch nicht beschneiden.

Nur ist bei all den völlig sinnvollen und wichtigen Einsparmethoden (- die anders ausgedrückt, bloß eine Vermeidung von Verschwendung sind -)  und selbst durch eine Gesamtoptimierung aller Orte des Energieverbrauchs keine Rettung  zu erwarten, wenn wir nicht gleichzeitig, vorrangig und vollständig auf Erneuerbare Energien umsteigen.

Mehr Zahlen und Fakten zu diesem Standpunkt: Life Savings – Can we save enough energy to survive?

Eine viel deutlichere Vorstellung über die Richtung, in die wir gehen müssen und in die Diskussion um das ‘Sparen’ transformiert werden muss, verrät uns das Zusammenspiel von Effizienz, Suffizienz und Konsistenz.

Entweder selber foresteln oder zum Beispiel in dem Vortrag “Weder Mangel noch Übermaß” nachlesen.